Von Gehlen - Mashup
Aus Leowiki
Macht seinem Titel alle Ehre, im positiven wie im negativen: größtenteils eine Collage aus mehr oder weniger interessanten Artikeln anderer Leute, sehr wenig "originäres" vom Autor selbst. Interessant sind aber natürlich dennoch einige der Beispiele. Bei allem "Lob der Kopie" bemüht sich aber von Gehlen auch an zahlreichen Stellen zu betonen, dass es ihm um das "kreative Kopieren" und nicht darum geht, "dem Bruch des Urheberrechts das Wort zu reden." (S. 15)
Ähnlich widersprüchlich auch folgende Stelle (S. 17): "In diesem Sinne verstehe ich das Lob der Kopie auch als Streitschrift für einen digitalen Umweltschutz. Denn ähnlich wie im Umgang mit den endlichen Ressourcen der Natur geht es auch bei der Debatte um die Kopie am Ende um die Frage, welche gesellschaftliche Zukunft uns vorschwebt und was wir dafür tun wollen. Diese Herausforderung bei allen berechtigten wirtschaftlichen Interessen nicht aus dem Blick zu verlieren, ist ein Anliegen dieses Buches" Dies suggeriert einen Widerspruch zwischen wirtschaftlichen Interessen und digitalem Umweltschutz, den ich so nicht erkennen kann - eher ganz im Gegenteil, die Monopolrechte der großen Rechteverwerter und Softwarekonzerne behindert kleine Unternehmen und innovative Startups.
Insbesondere bemerkenswert:
- Aufhänger zu Beginn ist das Zaubertor von Lionel Messi, das eine Kopie des berühmten Maradona-Tors 1986 dargestellt hat
- Abgrenzung Kopie und Fälschung nach Christian Gastgeber (S. 18): "Von der Fälschung unterscheidet sich die Kopie durch die Intention des Ausführenden. Mit der Kopie ist eine Abbildung des Originals intendiert, die jedoch nicht als Original verstanden werden will, sondern eben als bewusstes Duplikat, das sich mehr oder weniger an das Original hält."
- Im Interview mit Gerfried Stocker lobt dieser die Stadt Linz über den grünen Klee (S. 89):
- "Hatten Sie bei der Konzeption des Festivals mit politischen Widerständen zu kämpfen? Nein. Wir haben hier in Linz eher Rückenwind gespürt. Das liegt aber auch daran, dass Linz zu den Kommunen zählt, die sich dafür einsetzen, Open-Source-Produkte in der Verwaltung zu verwenden. Man hat hier begonnen, an den städtischen Schulen Open Office dem Microsoft Office vorzuziehen. Dabei geht es nicht nur ums Geld, sondern auch um die Geste. Linz hat zum Beispiel vor Jahren schon eine Hotspot-Initiative gegründet. Auf Kosten der Stadt wird im öffentlichen Raum Wireless LAN angeboten. Es gibt zudem ein Projekt, bei dem es darum geht, jeder Bürgerin und jedem Bürger der Stadt Linz eigenen Webspace auf einem öffentlichen Server der Stadt zur Verfügung zu stellen. Es gibt hier ein starkes politisches Bewusstsein dafür, dass freies Wissen eine der entscheidenden Ressourcen der Zukunft ist."
- Metapher der "Pusteblumen-Reproduktionsstrategie" von Cory Doctorw (S. 43)
