Pick - Das Echo-Prinzip
Aus Leowiki
Gerne gelesen, ein paar Geschichten kannte ich noch gar nicht und ein paar Tipps&Tricks habe ich auf für meine Social-Media-Aktivitäten dazugelernt.
Allgemeines
- Letztlich ist das Buch mehr Handreichung und Beratung als ich vom Titel her erwartet hätte. Inhaltlich glaube fand ich das größtenteils dann zwar sehr überzeugend und eigentlich auch sehr zugänglich für Leute, die noch nicht viel Ahnung haben; Probelm dabei jedoch: die Anzahl an Anglizismen ist schon enorm und konterkariert die Zugänglichkeit zumindest zum Teil. (Konkretes Beispiel: "Sentiment" wird beim ersten Mal auf S. 53 nicht erklärt, später dann einmal kurz - sogar ich wusste da nicht genua, was da dahinter steckt)
- Aus dem ersten Punkt folgt, was mir am meisten gefehlt hat - aber letztlich wohl ein anderes Buch wäre: Reflexion und Diskussion jener Frage, die der Untertitel aufwirft: wie sich politik verändert. Zugespitzt könnte man sagen: das Buch handelt nicht davon, wie Online-Kommunikation Politik verändert, sondern wie Online politische Kommunikation verändert. Zumindest ein paar Spekulationen, ob bzw. inwieweit aber sich auch politische Mobilisierung und Macht verändert, hätte ich mir schon gewünscht.
- Ähnliches gilt für das zentrale Konzept der "Echo-Kammer": Auch da hätte ich mir mehr Reflexion und Diskussion des (neuen) Verhältnisses zwischen new- und old-media erwartet, welche (auch: politischen) konsequenzen diese echo-chamber hat: wo gibt es da emanzipationspotentiale? wo neue exklusionssmechanismen? Vielleicht hätte es da auch geholfen, Konzepte wie die Filter-Bubble stärker auf diesen Echo-Chamber-Effekt hin neu zu verhandeln.
- Wirklich gut fand ich die Vielzahl Beispiele und deren knappe, aber präzise Beschreibung. Auch die Abwechslung zwischen Obama und deutschsprachigen Beispielen ist gut gelungen; ich finde es gelingt Dir gut, die Obama-Stories zu erden und für europäische Verhältnisse anschlussfähig zu machen.
- Im ersten Drittel fand ich es manchmal ein wenig komisch, wie deutlich Du einzelne Sachen als gut oder schlecht aburteilst. (zum Beispiel bei der Polarisierungsthese, S. 45, wo Du Sunstein verhandelst)
- Gefallen hat mir auch wie Du versucht hast, so zeitlos wie möglich zu schreiben und Schlussfolgerungen zu ziehen, die nicht von konkret-aktuellen Plattformen abhängen.
Kleinigkeiten
- die Fahrnberger-Gegenüberstellung ist mir zu Platt, die Social-Media-Sphäre ist nicht so hierarchiefrei, im Gegenteil. Das macht es nicht falsch, aber gerade in einem Buch zum Thema hätte man da schon noch etwas mehr differenzieren können; auch deshalb, weil MeinungsführerInnenschaft bei Blogs und Twitter auch ein spannendes Thema hätte sein können.
- die Unterscheidung zwischen sozialen Medien und Sozialen Netzwerken am Ende von S. 22 bis S. 23 überzeugt mich nicht, die Verknüpfung mit Open-Source und mit Kostenlos noch weniger, um nicht zu sagen: ich finde sie irreführend. (Abgesehen davon brauchst du den ganzen Absatz nicht, Du greifst diese Unterscheidung nie wieder auf)
- Die Idee mit dem wiederkehrenden "Zuhören"-Abschnitt find ich gut und wichtig
- den Teil über SMART-Ziele hätte ich jedenfalls eingespart, finde ich weder notwendig noch passend
- "hohe Kunst des Framings" >> abgesehen von der Floskel ist es so, dass du nicht nicht framen kannst - jede Kommunikation ist geframed. Ist aber nicht so wichtig.
