Dux2004a

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Fazit: hochproblematischer Text; versucht alles monokausal über Macht zu erklären; aufgeblasene Sprache; Autor zitiert sich fast ausschließlich selbst.

Im Detail:

S. 236: "eben deshalb macht es ebensowenig Sinn, die Gesellschaft auch nur methodisch auf irgendeine Form von Einverständnis gegründet zu sehen" ist ein wenig verschleierter Angriff auf Kants kategorischen Imperativ und die darauf aufbauende "Theorie der Gerechtigkeit" von Rawls - seine Begründung (auf die sich das "deshalb" im zitat bezieht), ist aber überhaupt keine bzw. mir bisher nur bei reaktionären neocons untergekommen. das finde ich jedenfalls schon einmal sehr unsympathisch.

Fußnote 3 auf seite 237 ist ebenfalls zumindest gefährlich und grenzt an Hardcore-methodologischen Individualismus und ist entweder nur eine Plattitüde oder Bullshit.

Sein Moral-Begriff ist auch befremdlich umfassend, seine Diktion nimmt scheinbar Anleihen bei Giddens, ohne ihn allerdings zu zitieren. Überhaupt scheint er nur sich selbst zu zitieren, was mich auch befremdet.

"Die Notwendigkeit als Mutter der Moral" ist auch ein unglaublich funktionalistischer Zugang zu Moral und Moralkonstitution.

Wenn ich schon beim schimpfen/nörgeln bin: sein Fremdwortgebrauch nervt mich, wie wenn er nur blöd herumposen müsste. Er knüpft nicht an bestehende Erkenntnisse an und stellt weitreichende Behauptungen in den Raum, ohne sie gut zu begründen, wie ich finde.

Was überhaupt nicht gut rüberkommt und mich sehr skeptisch macht, ist die idyllische Beschreibung der großen "Egalität" im "Innenverhältnis" er Geschlechter zu Zeiten der Subsistenzwirtschaft (S. 243). Polemisch gesagt: genau das gleiche erzählen die Machos aus südeuropäischen Ländern, dass im Innenverhältnis der Familien die Frauen das Sagen haben, nur nach Außen die Männer etc.

"Darin bestätigt sich die Ratio für die Ausbildung der Moral: Es wird soviel an Moral ausgebildet, wie die Bedingungen des Zusammenlebens verlangen, aber auch nicht mehr." (S. 244-245) Tut mir leid, aber das ist echt tautologisch-funktionalistischer Müll. diese Aussage stimmt nämlich IMMER und ist nicht zu widerlegen. zumindest so, wie er sie präsentiert und argumentiert. Das was danach auf Seite 245 kommt lässt mir die Haare zu Berge stehen - wenn dir das alles einleuchtet, werden wir am Wochenden noch viel zu streiten haben... ;-)

Fazit: jede Moral ist zweckrational und praktisch vernünftig sowie notwendig >> der homo oeconomicus lässt grüßen.

Es gibt keine Moral jenseits der "Binnenverhältnisse sozialer Beziehungen". (S. 257)

"Die Gesellschaft wird in ihren Strukturen von einem anderen Medium bestimmt: Macht." (S. 260) Gut zu Wissen, hatten die Vulgärmarxisten also doch recht. Und damit auch die Neocons: Es gibt klare Präferenzen, der Mächtigere setzt sich durch. So ein Scheiß.

"Nirgends hat die Moral Einspruch erhoben, nirgends war sie hinderlich." (S 261) Finde ich ein starkes Stück, diese Aussage.


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