Stegbauer - Wikipedia Kommentar

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Empirische, netzwerktheoretische Analyse der Wikipedia. Sehr interessant im Bezug auf die verschiedenen Möglichkeiten, wie sich Wikipedia-Daten netzwerktheoretisch analyisieren lassen. Empirische, netzwerktheoretische Analyse der Wikipedia. Sehr interessant im Bezug auf die verschiedenen Möglichkeiten, wie sich Wikipedia-Daten netzwerktheoretisch analyisieren lassen.
-* +* Große Bedeutung von Positionszuweisung (Aufforderung, Lob, Kritik) für Beteiligung in Wikipedia
 +* Klar nachweisbare Verschiebung der Arbeitsaufgaben vom Artikelschreiben hin zu administrativen Aufgaben nach Übernahme von Administratorrolle; große Bedeutung von Empfehlung/Aufforderung für Kandidatur als Administrator, de-facto Kooption durch Kerngruppe
 +* Keineswegs einheitliche Modi der Administrator-Bestellung: Wahl "auf Lebenszeit" in der deutschen Wikipedia steht die Notwendigkeit einer jährlichen Neubestätigung in der niederländischen Wikipedia gegenüber (S. 185)
 +* Zur Rigidität bzw. geringen Flukutation in der Wikipedia-Kerngruppe: "Offenbar sind die Fürhungspositionen nicht in gleichem Maße ausweitbar wie die Peripherie" (S. 95)
 +* Zentrale These: Wandel der "Wikipedia-Ideologie" von "Befreiung des Wissens" zu "Produktideologie", also Wikipedia als einem Produkt, das mit anderen Enzyklopädien hinsichtlich Qualität konkurrieren soll (z.B. 289)
 +* "Wie wir sehen werden und wie in zahlreichen hauptsächlich von Sozialpsychologen durchgeführten Experimenten gezeigt wurde, regiert die Situation: Die dort vorhandenen und vorgenommenen Positionierungen erscheinen wichtiger, als langfristige ebenfalls in sozialen Situationen entstandene Identitäten. Die '''situative Identität''', die sich in sozialen Gebilden zu Positionen verfestigt, erscheint danach für Handlung und Handlungspräferenz wesentlicher (White 1992)." (S. 23; Herv. L.D.)
 +* Abgrenzung zum methodologischen Individualismus: "Es gibt kein fixes Ziel, sondern die Präferenzen entstehen erst in der Auseinandersetzung mit Anderen." (S. 28)
 +* "Wir alle sind Teil vieler Netzwerke, die in unterschiedlicher Intensität unsere Identität beeinflussen und vom einen in das andere Netz "hinüberwirken." Solche übergreifenden Beziehungen wurden von Simmel (1908) als sich überschneidende soziale Kreise beschrieben." (S. 31)
 +* "Es kommt hinzu, dass das Internet einer Experimentalsituation nahe kommt, da eine Reihe von ansonsten für soziale Prozesse als konstitutiv angesehene Bedingungen dort nicht vorhanden ist. (...) Man kann sagen, dass diese "neue" Quasi-Experimentalsituation Grundlage für einen solchen Blick auf Unveränderliches ist, was Menschen, Sozialität, und - ja auch, die Grundlage der Soziologie bestimmt." (S. 33)
 +* "Trotz dieser sozialkonstruktivistischen Sichtweise, kommt immer wieder ein konservatives, ein beharrendes, gesellschaftliche Entwicklungen entschleunigendes Moment ins Spiel: Die gegenseitigen Erwartungen bremsen die Variationsmöglichkeiten." (S. 37)
 +* "Wenn damit die auf Wikipedia bezogene Handlung abgeschlossen ist, ähnelt die Beziehung zur Wikipedia der des Blutspenders, der nichts mit der Weiterverarbeitung zu tun hat." (S. 39)
 +* "Das bedeutet, dass eine soziale Formation, die aus mehrere Personen besteht, eine eigene Handlungslogik besitzt, die nicht durch individuelle Präferenzen erklärt werden kann. (...) Das, was die Menschen in der Umwelt über die Gruppe denken, tritt weitgehend in den Hintergrund."
 +* Zur Bedeutung von Medienberichterstattung für Wikipedia-internen Diskurs (S. 67).
 +* "Die Präferenzen müssen sich wandeln, damit es überhaupt zu einer Ausfüllung der organisationalen Aufgaben innerhalb der Wikipedia kommt." (S. 100)
 +* Wikipdia-Stammtische/-Treffen: "An den allermeisten Orten fand nru ein einziges Mal ein Treffen statt. (...) Die Chance auf Treffena ndere Wikipedianer kennenzulernen, ist also über die Republik sehr ungleich verteilt."(S. 240); "Von den 181 Teilnehmern (in Berlin, Anm.) sind ganze 9 in einem größeren Maße auch überregional aktiv geworden."
 + 
 +* '''Methodisches:'''
 +** Codierung von Beziehungen (S. 120;
 +** Seite "Wikipedia:Administratoren/Notizen", die sich explizit an Admins richtet;
 +** Idee, die Teilnehmerseiten in Wikipedia zu analysieren
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 +'''Kritisch zu sehen sind folgende Punkte:'''
 +* "Es sind keine anonamyen Massen (Larnier 2006), die für die Inhalte der Artikel verantwortlich sind, sondern es handelt sich um einen sozialen Zusammenhang, in dem die wichtigen Akteure einander wahrnehmen." >> Für den Erfolg bzw. das Funktionieren der Wikipedia ist aber die "anonyme Masse" ebenso unverzichtbar; vgl. den großen Anteil an Menschen, die nur sehr wenige Beiträge liefern.
 +* Diskussion des demokratischen Anspruchs der Wikipedia (S. 177)
 + 
== Backlinks == == Backlinks ==
[[Buchverzeichnis]] [[Buchverzeichnis]]

Version vom 11:38, 10. Sep 2009

Empirische, netzwerktheoretische Analyse der Wikipedia. Sehr interessant im Bezug auf die verschiedenen Möglichkeiten, wie sich Wikipedia-Daten netzwerktheoretisch analyisieren lassen.

  • Große Bedeutung von Positionszuweisung (Aufforderung, Lob, Kritik) für Beteiligung in Wikipedia
  • Klar nachweisbare Verschiebung der Arbeitsaufgaben vom Artikelschreiben hin zu administrativen Aufgaben nach Übernahme von Administratorrolle; große Bedeutung von Empfehlung/Aufforderung für Kandidatur als Administrator, de-facto Kooption durch Kerngruppe
  • Keineswegs einheitliche Modi der Administrator-Bestellung: Wahl "auf Lebenszeit" in der deutschen Wikipedia steht die Notwendigkeit einer jährlichen Neubestätigung in der niederländischen Wikipedia gegenüber (S. 185)
  • Zur Rigidität bzw. geringen Flukutation in der Wikipedia-Kerngruppe: "Offenbar sind die Fürhungspositionen nicht in gleichem Maße ausweitbar wie die Peripherie" (S. 95)
  • Zentrale These: Wandel der "Wikipedia-Ideologie" von "Befreiung des Wissens" zu "Produktideologie", also Wikipedia als einem Produkt, das mit anderen Enzyklopädien hinsichtlich Qualität konkurrieren soll (z.B. 289)
  • "Wie wir sehen werden und wie in zahlreichen hauptsächlich von Sozialpsychologen durchgeführten Experimenten gezeigt wurde, regiert die Situation: Die dort vorhandenen und vorgenommenen Positionierungen erscheinen wichtiger, als langfristige ebenfalls in sozialen Situationen entstandene Identitäten. Die situative Identität, die sich in sozialen Gebilden zu Positionen verfestigt, erscheint danach für Handlung und Handlungspräferenz wesentlicher (White 1992)." (S. 23; Herv. L.D.)
  • Abgrenzung zum methodologischen Individualismus: "Es gibt kein fixes Ziel, sondern die Präferenzen entstehen erst in der Auseinandersetzung mit Anderen." (S. 28)
  • "Wir alle sind Teil vieler Netzwerke, die in unterschiedlicher Intensität unsere Identität beeinflussen und vom einen in das andere Netz "hinüberwirken." Solche übergreifenden Beziehungen wurden von Simmel (1908) als sich überschneidende soziale Kreise beschrieben." (S. 31)
  • "Es kommt hinzu, dass das Internet einer Experimentalsituation nahe kommt, da eine Reihe von ansonsten für soziale Prozesse als konstitutiv angesehene Bedingungen dort nicht vorhanden ist. (...) Man kann sagen, dass diese "neue" Quasi-Experimentalsituation Grundlage für einen solchen Blick auf Unveränderliches ist, was Menschen, Sozialität, und - ja auch, die Grundlage der Soziologie bestimmt." (S. 33)
  • "Trotz dieser sozialkonstruktivistischen Sichtweise, kommt immer wieder ein konservatives, ein beharrendes, gesellschaftliche Entwicklungen entschleunigendes Moment ins Spiel: Die gegenseitigen Erwartungen bremsen die Variationsmöglichkeiten." (S. 37)
  • "Wenn damit die auf Wikipedia bezogene Handlung abgeschlossen ist, ähnelt die Beziehung zur Wikipedia der des Blutspenders, der nichts mit der Weiterverarbeitung zu tun hat." (S. 39)
  • "Das bedeutet, dass eine soziale Formation, die aus mehrere Personen besteht, eine eigene Handlungslogik besitzt, die nicht durch individuelle Präferenzen erklärt werden kann. (...) Das, was die Menschen in der Umwelt über die Gruppe denken, tritt weitgehend in den Hintergrund."
  • Zur Bedeutung von Medienberichterstattung für Wikipedia-internen Diskurs (S. 67).
  • "Die Präferenzen müssen sich wandeln, damit es überhaupt zu einer Ausfüllung der organisationalen Aufgaben innerhalb der Wikipedia kommt." (S. 100)
  • Wikipdia-Stammtische/-Treffen: "An den allermeisten Orten fand nru ein einziges Mal ein Treffen statt. (...) Die Chance auf Treffena ndere Wikipedianer kennenzulernen, ist also über die Republik sehr ungleich verteilt."(S. 240); "Von den 181 Teilnehmern (in Berlin, Anm.) sind ganze 9 in einem größeren Maße auch überregional aktiv geworden."
  • Methodisches:
    • Codierung von Beziehungen (S. 120;
    • Seite "Wikipedia:Administratoren/Notizen", die sich explizit an Admins richtet;
    • Idee, die Teilnehmerseiten in Wikipedia zu analysieren

Kritisch zu sehen sind folgende Punkte:

  • "Es sind keine anonamyen Massen (Larnier 2006), die für die Inhalte der Artikel verantwortlich sind, sondern es handelt sich um einen sozialen Zusammenhang, in dem die wichtigen Akteure einander wahrnehmen." >> Für den Erfolg bzw. das Funktionieren der Wikipedia ist aber die "anonyme Masse" ebenso unverzichtbar; vgl. den großen Anteil an Menschen, die nur sehr wenige Beiträge liefern.
  • Diskussion des demokratischen Anspruchs der Wikipedia (S. 177)


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