Lavoie2006

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-** Auf Seite 14 taucht plötzlich unmotiviert die "propensity to save" im Bezug auf Wages auf, hier muss es wohl eher "consume" heißen. Im Original lautet der Satz wie folgt (Herv. L.D.): "The potentially lower share of profits thus generates some excess demand at that rate of utilization, because the propensity to ''save'' out of wages is greater than that of out of profits, which drives up the actual rate of capacity utilization". Unabhängig von dem Fehler illustriert dieses Zitat auch wieder, dass sich das Argument Lavoies ausschließlich auf die funktionelle Einkommensverteilung bezieht. +** Auf Seite 14 taucht plötzlich unmotiviert die "propensity to save" im Bezug auf Wages auf, hier muss es wohl eher "consume" heißen. Im Original lautet der Satz wie folgt (Herv. L.D.): "The potentially lower share of profits thus generates some excess demand at that rate of utilization, because the propensity to ''save'' out of wages is greater than that of out of profits, which drives up the actual rate of capacity utilization". Unabhängig von dem Fehler illustriert dieses Zitat auch wieder, dass sich das Argument Lavoies ausschließlich auf die funktionelle Einkommensverteilung bezieht.
 +** S. 4 und S. 8: Die Definition ''f'' ist scheinbar fehlerhaft, weil sie so keinen Sinn macht, es muss yf/yv und nicht umgekehert lauten.
** S. 20 f.: Wenn Lavoie Saving berücksichtigt, argumentiert er, dass höheres Sparen die effektive Nachfrage und damit die Kapazitätsauslastung reduziert. Offen bleibt hier - wiedermal - der Zusammenhang S=I, denn falls S=I gilt, müsste das Sparen ja zu Investitionsausgaben und damit ebenso zu Nachfrage führen. Selbst wenn das nicht gilt, könnte man aber argumentieren, dass mit der Investition gleichzeitig eine Kapazitätserhöhung (im Sinne gesteigerten Kapazitätspotenzials) und damit jedenfalls geringere Kapazitätsauslastung einhergeht. ** S. 20 f.: Wenn Lavoie Saving berücksichtigt, argumentiert er, dass höheres Sparen die effektive Nachfrage und damit die Kapazitätsauslastung reduziert. Offen bleibt hier - wiedermal - der Zusammenhang S=I, denn falls S=I gilt, müsste das Sparen ja zu Investitionsausgaben und damit ebenso zu Nachfrage führen. Selbst wenn das nicht gilt, könnte man aber argumentieren, dass mit der Investition gleichzeitig eine Kapazitätserhöhung (im Sinne gesteigerten Kapazitätspotenzials) und damit jedenfalls geringere Kapazitätsauslastung einhergeht.

Aktuelle Version

Laute Einleitung ist das Paper der Versuch "Kaleckianisch" zu erklären, warum in den USA hohe Wachstumsraten trotz hohen Managergehältern möglich waren. Ein Versuch, der allerdings in keinster Weise empirisch unternommen worden ist, als ganzes quasi eine ad-hoc-hypothese darstellt.

  • Kernpunkt der Argumentation: Target-Return-Pricing an Stelle von Markup-Pricing erklärt - je nach Kapazitätsauslastung (über oder unter einer "Standardkapazitätsauslastung") - expansive oder restriktive Folgen einer Erhöhung von Managergehältern.
    • Basisannahme ist dabei - wird gegen Ende dann aber zumindest alternativ diskutiert - dass weder Manager noch Worker aus ihren Löhnen sparen (S. 9: "With this saving function we assume that there is no saving out of wages. In other words, neither the manager nor the workers save on their labor income.")
    • Die Erhöhung der Managergehälter erfolgt zwar auch relativ zu ArbeiterInnenlöhnen, geht in dem Modell aber auf Kosten der "net profits" (vgl. S. 16), die nur einen Teil der "gross profits" ("profits plus overhead costs", S. 7) bilden. Der positive Nachfrageeffekt einer Erhöhung der Managergehälter resultiert nun daraus, dass diese nach Lavoie vollständig in den Konsum gehen, rechnerisch aber Teil des "gross profits" sind. Im Kern ist die Argumentation also bei Lavoie eine der funktioniellen Einkommensverteilung (vgl. auch S. 8-9, wo er sich explizit auf den "income share" der "direct labor" bezieht).
    • Die Höhe des Target-Returns wird auch bei Lavoie extern vorgegen, als empirischer Bezugspunkt verweist er auf ROE (Return on Equity) und die Willkürlichkeit dessen Festsetzung mit den Worten "the ROE standard, conventionelly (or mystically) set at 15%" (S. 6, Herv. L.D.)
  • Grundsätzliche Kritik: Es erscheint mehr als fraglich, ob die theoretische Erklärung auf den empirischen Aufhänger passt: Lavoies Fazit lautet doch, dass eine Erhöhung von Managergehältern sich nur in Perioden der Stagnation positiv auf das Wachstum auswirkt, ansonsten einen wachstumsdämpfenden Effekt hat (vgl. insbes. S. 14). Nun sind die 1990er Jahre in den USA eben gerade KEINE Phase der Stagnation gewesen - die höheren Managergehälter müss(t)en das Wachstum demnach sogar eher gedämpft haben, bei niedrigeren Managergehältern wäre es auch nach Lavoies Modell sogar noch höher gewesen.
  • Mögliche Alternative Erklärungen des empirischen Phänomens:
    • Die ohnehin extrem niedrige Sparquote von knapp über Null der privaten Haushalte deutet darauf hin, dass die gestiegenen Einkommen der Managergehälter mit ihrer höheren Sparneigung durch eine höhere Verschuldung, i.e. negativen Sparquote, der Haushalte mit mittleren und geringeren Einkommen ausgeglichen worden ist. Dies ist wiederum konsistent mit der Housing-Bubble, die in einem Land wie den USA mit überwiegend Eigentumswohnraum zu einer Illusion der Liquidität geführt hat.
    • Lavoie selbst verwendet diesen Umstand aber - haarsträubenderweise - dazu, seine Annahme einer Sparquote von Null aus Wages zu rechtfertigen: "While this may look like an excessively simplified assumption, it is not too far from reality since, in countries such as the United States and Canada, saving rates on flow income by households have fallen down to zero over the most recent years." (S. 9)
  • Kleinere Fehler, Ungereimtheiten und offene Fragen:
    • Auf Seite 14 taucht plötzlich unmotiviert die "propensity to save" im Bezug auf Wages auf, hier muss es wohl eher "consume" heißen. Im Original lautet der Satz wie folgt (Herv. L.D.): "The potentially lower share of profits thus generates some excess demand at that rate of utilization, because the propensity to save out of wages is greater than that of out of profits, which drives up the actual rate of capacity utilization". Unabhängig von dem Fehler illustriert dieses Zitat auch wieder, dass sich das Argument Lavoies ausschließlich auf die funktionelle Einkommensverteilung bezieht.
    • S. 4 und S. 8: Die Definition f ist scheinbar fehlerhaft, weil sie so keinen Sinn macht, es muss yf/yv und nicht umgekehert lauten.
    • S. 20 f.: Wenn Lavoie Saving berücksichtigt, argumentiert er, dass höheres Sparen die effektive Nachfrage und damit die Kapazitätsauslastung reduziert. Offen bleibt hier - wiedermal - der Zusammenhang S=I, denn falls S=I gilt, müsste das Sparen ja zu Investitionsausgaben und damit ebenso zu Nachfrage führen. Selbst wenn das nicht gilt, könnte man aber argumentieren, dass mit der Investition gleichzeitig eine Kapazitätserhöhung (im Sinne gesteigerten Kapazitätspotenzials) und damit jedenfalls geringere Kapazitätsauslastung einhergeht.
  • Ceterum Censeo: Wachstumsmodelle bei konstantem Technologieniveau (vgl. S. 4) sind eigentlich prinzipieller Wahnsinn bzw. sinnlos.

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